Naturschutz gegen Ortsumfahrung (Herwig Laabs)

Warum ist der Naturschutz gegen die Ortsumfahrung Mühlried?

FFH-Gebiete sind unter den höchsten (juristischen) Schutz gestellte Flächen in der gesamten EU, viel wirksamer als ein Naturschutz- oder Landschaftsschutzgebiet. Nur in seltenen Ausnahmen und wenn es keine (noch so teuren) Alternativen gibt, dazu muss die Notwendigkeit durch gut begründeten Beurteilungen dargestellt werden, kann eine Regierung hierzu die Genehmigung erteilen. Bei der OU-Mühlried ist diese Notwendigkeit nicht gegeben.

Fast tragisch zu nennen ist es, dass der Besitzer der Aumühle seine Ackerflächen aus dem FFH-Gebiet herausgeklagt hatte, damit er sie weiter intensiv bewirtschaften konnte. Nun werden 4.8 ha landwirtschaftliche Fläche durch dem Straßenbau verschüttet, die z.T. in der ursprünglichen FFH-Fläche enthalten waren. Eine nachträgliche Infragestellung der Schutzwürdigkeit – wie sie im naturschutzfachlichen Gutachten zu finden ist – wirkt auf mich ziemlich zynisch, weil die Grenzziehung dieses FFH-Gebiets angeblich als willkürlich hingestellt wird.

In Bayern gibt es mehrere Beispiele, dass eine Straßenplanung schon deshalb abgelehnt wurde, weil sie ein FFH-Gebiet „verplant“ hatte. Die B 300 z.B. soll um Weichenried herum geführt werden. Der erste Entwurf führte durch die Paarauen; er wurde abgelehnt. Die Variante östlich von Weichenried war viel zu lang – abgelehnt. Nun wurden zwei Privathäuser umgesiedelt, damit die ungleich wichtigere Straße kurz und dicht an Weichenried vorbeigeführt werden kann.

Sollte die Regierung von Oberbayern die Pläne der OU-Mühlried genehmigen, verstößt sie gegen geltende Schutzregeln und setzt verhängnisvolle Signale! Dann werden viele Planungsbüros es wagen, FFH-Gebiete anzutasten unter dem Hinweis auf den „Fall Paarauen“ – ein leichtfertiger juristischer Präzedenzfall.

Für die Ortsgruppe „Paarauen“ des BN ist der Eingriff in die Landschaft deshalb doppelt schlimm, weil nicht nur die Flora und Fauna beeinträchtigt wird, sondern auch das Naherholungsgebiet für viele Mühlrieder zerstört wird. Wenn am Sonntagnachmittag der Spaziergang aus der Siedlung hinaus führt, um dann auf einen unübersehbaren 5m hohen Straßendamm zu stoßen, ist die Freude dahin. Wie soll die Achtsamkeit für die bayerische Heimat gefördert werden? Ist das nicht auch ein „unantastbarer Wert“?

Der Überflugschutz für Fledermäuse, der mehrere Tausend Euro verschlingt, scheint mir ein lächerliches „Feigenblatt“ zu sein, nur um (optisch wirksam) die „Bemühungen um den Artenschutz“ zu demonstrieren. Ein Aufbau auf der einen Hälfte der Brücke soll die Fledermäuse zwingen hoch über den Verkehr zu fliegen, die andere Hälfte der Brücke braucht das nicht: Dort können die Tiere unter der Brücke hindurchsegeln. Wissen das alle Fledermäuse?

Die Spaziergänger haben von diesem „Naturschutz“ gar nichts. Die vielen Arten, die durch den Straßenbau und den Straßenverkehr empfindlich gestört werden, bleiben unberücksichtigt. Sehr schade ist es, dass wir unsere Kinder nicht mehr auf das Flöten des Brachvogels und die Flugkünste der Kiebitze aufmerksam machen können. Der Werbespruch im BR –Fernsehen: I bin der Xari und hier bin i dahoam – wirkt wie ein Witz.

Herwig Laabs

One thought on “Naturschutz gegen Ortsumfahrung (Herwig Laabs)

  1. Alfred Hoyer

    Juni 8, 2015 at 2:49pm

    Ich bin für eine Ortsumfahrung.

  2. Christine Hall-Walleser

    Dezember 3, 2014 at 1:22pm

    Hallo liebe Aktiven gegen unsinnigen Straßenbau im Landschaftsschutzgebiet.
    Ja, ich bin auch dafür, die wunderbare Naturlandschaft zu schützen und alles zu unternehmen, damit die geplante neue Trasse niemals, niemals gebaut werden darf!
    Das Geld soll in wichtigere Projekte investiert werden!
    mfG Chr. Hall-Walleser

Your email will not be published. Name and Email fields are required.